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07.04.2015

Sagenhafte Dolomiten – Wo die Berge Geschichten erzählen

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Nur wer einmal ihre bleichen Spitzen in der Dämmerung leuchten sah, nur wer von steilen Klippen geblickt und über zahllose bizarr geformte Silhouetten geschaut oder sich eigenhändig mit der Hand am rauen, weißen Fels emporgezogen hat, der kann verstehen, warum das Weltnaturerbe Dolomiten Gegenstand unzähliger Sagen ist. Tatsächlich ranken sich zahllose Geschichten voller Zauber und Magie um die schönsten Gipfel und Plätze des Dolomitengebiets.

Der Ursprung aller Sagen

Damals, als die Berge seines Dolomitenreiches noch alle dunkel waren, nahm der junge Prinz die Tochter des Mondes zur Gemahlin. Sie war ein Mädchen von zarter Schönheit und edlem Gemüt, und verging vor lauter Sehnsucht und Heimweh nach ihrer silbern leuchtenden Heimat. Der Prinz war verzweifelt. Da boten ihm die Salvans, die weisen Urbewohner und Hüter aller Naturgeheimnisse, ihre Hilfe an, zum Dank für den Schutz und die Zuflucht, die der Prinz dem Stamm in den Wäldern und auf den Anhöhen seines Reiches gewährte. In der folgenden Vollmondnacht spannen die Salvàns Silberfäden aus Mondlicht und webten ein engmaschiges Netz, das sie über die dunklen Horizonte warfen und damit die bleichen Berge erschufen.

Die bittere Schmach des Königs der Sagen

In der Abendsonne glühen spitze Zinnen, schroffe Grate und steile Felswände im tiefen Rot auf, um über Orange und Violett sanft in die Dunkelheit der Nacht zu gleiten. Am Rosengarten ist der Zwergenkönig Laurin dafür verantwortlich: tief gekränkt wegen des Verrates und der unerwiderten Liebe und wutentbrannt ob seiner Niederlage im Kampf wollte er mit einem Zauberspruch seinen wunderbaren Rosengarten für immer vernichten: weder der helle Tag noch die finstere Nacht sollten die Rosenpracht je wiedersehen. Doch der Zwergenkönig hatte vergessen, auch die Dämmerung zwischen Tag und Nacht in seinen Bann mit einzubeziehen. Und so geschieht es, dass bisweilen Laurins alter Rosengarten bei Sonnenuntergang „erblüht“. Die Ladiner nennen dieses Wunder der Natur Enrosadira: die einzigartige Zusammensetzung des Dolomitgesteins macht sie möglich.

Sagen voller Zauberhafter Mystik

Geheimnisvoll unter den Südtirolsagen bleiben die ladinischen Dolomitensagen. „Es sind Geschichten von der Zeit vor der Zeit und von einem Ort vor dem Ort, den sie benennen. Sie erzählen das Immergleiche, was alle Geschichten erzählen: Sie erzählen vom Werden und Vergehen, von Erde, Wasser, Wind und Feuer.“ (Anita Pichler, Die Frauen von Fanis). Tanna, Moltina, Dindia, Somawinda, Dolasilla, Sorejina, … insgesamt 13 bildschöne, blitzgescheite, waffenführende, großartige Frauengestalten heben die Fanes-Sagen unter den anderen Dolomitensagen hervor.

Sagenhaftes BergReich …


Die Sagendichte in den Dolomiten ist beachtlich! Ehe die Wissenschaft begann, die Welt zu erklären, war der Alltag in den Südtiroler Dolomitentälern von geheimnisvollen Mächten bestimmt, von Hexen, Salvans und Vivanas. Sie gaben dem Unerklärlichen einen Namen, den Schicksalschlägen eine Logik und bewahrten die alten Erfahrungen der Dolomitenvölker. In den langen Winternächten wurden sie von Generation zu Generation weitererzählt, ergänzt, ausgeschmückt, bis im 17. Jh. die ersten Aufzeichnungen entstanden. Am bekanntesten sind wohl die „Dolomitensagen“ von Karl Felix Wolff, wo er einleitend verspricht: „Zu den verzauberten Bergen werde ich dich tragen: zu den bleichen, rosa strahlenden Felsen, die hochaufgerichtet über der Erde stehen, unantastbar wie die Ehre.“

… und wahrhaftige Sagenwelt

Wie viel Wahrheit tatsächlich in den Dolomitensagen steckt, werden wir wohl nie erfahren. Fakt ist, dass die Sagen weit mehr sind als poetische Versuche, die unbezwungene Schönheit dieser bizarren Felsen und Türme, der wuchtigen Blöcke und Riffe einzufangen. Der Mensch ist nur zeitweiliger Gast. Diese Welt gehört noch dem Unerklärlichen, den Wundern, den einzigartigen Begebenheiten. Warum nicht mal die Dolomiten aus dem Blickwinkel der Mystik betrachten? Der Dolomitenhöhenweg Nr. 2 von Brixen nach Feltre, mit dem aussagestarken Namen „Weg der Sagen und Legenden“, geleitet Sie durch Täler und über Berge zu vielen Schauplätzen alter Sagen.