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18.09.2015

Talentierte Brünette mit Biss

kastanien
Leicht zu knacken ist sie ja, die „Brustnuss“ (wörtlich aus dem Englischen von „chestnut“), aber man muss sich beeilen, verfügbar ist sie nur in den Herbstmonaten September, Oktober und November. Hat man sie von ihrer glatten Schale befreit, kommt ihr wahres Alter zum Vorschein. Zarte Fältchen verraten, dass sie schon über 1500 Jahre zur Südtiroler Geschichte gehört. „Der Nuie Wein“ durfte von Beginn an in das Holzkleid der Kastanie schlüpfen, die Klöster verwandelten sie in eine nahrhafte Suppe.

Hohle Nuss – von wegen!

Die Kastanie ist ein gesunder Alleskönner. Dominik, Lebensmittelfanatiker und Allesmitvielliebezubereiter, Koch in einem 5-Sternehaus auf der Seiser Alm, schwärmt von der „Keschte“: “Was man mit der Kastanie alles machen kann? Spontan fällt mir ein Kastanienrisotto, Kastanienknödel oder rosa Lammracks in Kastanienkruste (...) aber mein persönlicher Favorit sind die Kastanientagliatelle mit Speck, Kaffee(!) und Lauch. Die Kastanie gibt den erdigen Geschmack, der Kaffee leichte Bitterstoffe und Süße (...) Nebenbei enthält die Kastanie hochwertiges Eiweiß, wenig Fett und ist reich an Spurenelementen und Mineralstoffen.“ Je länger sich seine Schwärmereien dahinziehen umso mehr steigt der Appetit der Zuhörer und die Vorfreude auf die Kastanienzeit.

Sogar das Wetter ist keschtlich ...

Morgendlicher Check der Wetter App und der „Keschtnevents“ und los. Ob „Keschtnriggl“ in Tisens, Prissian und Völlan oder „Keschtnigl“ in Felthurns, kulinarische Schmankerln finden sich überall in Südtirol. Die Eisacktaler sind aber wohl diejengen, die die fünfte Jahreszeit zur ersten machen. 63 km „Keschtnweg“ haben sie zu bieten, von Kloster Neustift bei Brixen über das Eisacktal bis zum Rittner Hochplateau und hinunter nach Bozen, verziert mit originalen Hofläden und Gasthäusern. Eine freundliche Stimme begrüßt mich am Telefon. Sie gehört Andreas, von "Appartments Kerschbaumer" in Feldthurns. Von der Kastanie zu erzählen fällt einem echten Eisacktaler wie ihm nicht schwer: "In der Herbstzeit passiert es schon des Öfteren, dass wir Kastanien braten und auch unseren Gästen welche bringen.Ein Highlight bei uns im Hause ist auch das Appartement Kastanienblick. Es bietet einen wunderbaren Blick auf die umliegenden Kastanienhaine. 3 Gehminuten sind es von uns aus bis zum Keschtnweg und auch zu verschiedenen Bauernhöfen, welche das Törggelen anbieten, das originale Törggelen", betont er. "Nicht wie es überall in Südtirol gemacht wird, hier im Eisacktal liegt der Ursprung und das ist auch richtig so."

Keschtn, Kraut und "Kuan Huamgong"

Deftig sollte man es schon mögen, wenn man zum Törggelen einkehrt: Schlutzkrapfen, Kraut, Rippelen, Surfleisch und dazu die traditionellen Knödel. Hungrig ist man spätestens nach einer Portion gebratener Kastanien zum Abschluss sicher nicht mehr. Rundum zufrieden also kann man, meist zu später Stunde, den Heimweg antreten. Andernfalls kann man sich aber immer noch bei der einen oder anderen Hexe beschweren, welche einen gerne ein Stück durch die Kastanienhaine längs des Keschtnweges begleitet, so erzählt es zumindest die Jahrhunderte alte Kultur.