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22.04.2016

Des eigenen Glückes Schnitzerin

arbea
Eine blonde, gepflegte Frau sitzt mir gegenüber, die Hände verschränkt, langsam pult sie den Lack von den Nägeln. „Weißt du, das mit dem Gel werde ich nicht mehr machen, die Nägel werden kaputt und es dauert zu lange, bis das Gel wieder weg ist.“ Bei Silvia Delago muss alles flott klappen. Anders wäre er auch nicht zu schaffen, der Ameisenhaufen an Aufgaben, den sie täglich bewältigt. Die „Arbea Appartments mit Ferienwohnungen, zwei kleine Kinder, ihre Schnitzwerkstatt im gleichen Haus und ihr Frauenviergesang „De cater“, mit dem sie regelmäßig Auftritte hat.

Rund ist das Geheimnis

Aber genau in diesem vollgestopften Terminkalender liegt das Geheimnis von Silvia, sie sagt nämlich, sie brauche das alles. „Das Schnitzen, nein, das würde ich nicht lassen“, sagt sie, „nein, und das Singen schon überhaupt nicht“ und lacht. Die Schnitzkunst, vom Vater gelernt, ist zum Hobby und Beruf geworden, ebenso das Singen. „Das ist für mich wie eine Auszeit, ich habe Zeit für meine Leidenschaften, kann mal abschalten und dann gehen auch der Haushalt, die Kinder und die Gästebetreuung wieder leichter.“ So läuft Silvia’s Rad, es läuft in die richtige Richtung, die eine Speiche braucht die andere und am Ende schließt sich der Kreis.

Aus dem Leben geschnitzt

„Ich bin wirklich eine glückliche Frau, ich habe zwei gesunde Kinder, Arbeit und ein schönes Haus, was will man noch mehr?“ Daraufhin kann ich nur zustimmend nicken. Ich frage sie aber trotzdem noch, was sie sich, wenn sie könnte, im Leben noch zurechtschnitzen würde. „Ja, das einzige, was ich mir manchmal noch herausschnitzen würde, ist vielleicht ein bisschen mehr Zeit, Zeit für mich oder Zeit, um in den Urlaub zu fahren, noch ein bisschen etwas von der Welt zu sehen. Es gibt einfach keine zwei oder drei Wochen im Jahr, wo ich keine Termine, Gäste oder Ausstellungen habe.“

Arbea Appartments

Muttertag – Mutterglück

Muttertag – lässt Silvia einfach mal alles stehen und liegen? „Nein, das auf keinen Fall!“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Wusste ich’s doch, Silvia ist eine Frau, die macht, und eine, die es ordentlich macht. „Gewisse Aufgaben sind einfach jeden Tag zu erledigen, auch am Muttertag. Wir feiern den Tag aber natürlich, am liebsten bin ich auf einer Alm mit meiner Familie. Auf jeden Fall irgendwo, wo es gemächlich zugeht, ohne Menschenmassen. Wenn ich meine Ruhe habe und die Kinder glücklich sind, dann bin ich es auch, dann ist auch der Muttertag gelungen.“

G'sungen

Silvia Delago ist die erste Person, die ich treffe, die mir ohne zu zögern etwas vorsingt, als ich sie darum bitte. Gut, dass wir im Garten stehen, erstens haben die Nachbarn auch etwas vom Auftritt und zweitens braucht diese Stimme einfach mehr Raum als nur ein Zimmer. Ich klatsche und sehe eine selbstbewusste Frau, die weiß, was sie kann.



G'schnitzt

Silvia zeigt mir noch ihre Werkstatt. Mit geübtem Schwung bindet sie sich ihre Schürze um, lacht und setzt sich an den Stuhl und schnitzt an ihrem aktuellen Werk. Ein Foto soll „auf Holz gebracht“ werden. Neben ihr steht ein kleiner Tisch, an dem ihre Kinder manchmal „werkeln“, während sie sich der Schnitzkunst widmet. Auf der anderen Seite ein Sack Zwiebeln, darüber ein Foto von Silvias Sängergruppe „De cater“. Alle Facetten der Multi-working-Grödnerin begegnen sich unter einem Dach – mit Erfolg.