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26.02.2015

Olltogsg’schichten – Erinnerungen aus Kindheitstagen

oltogsgschichten
Geschichte von Bauer Eva, Haus Bauer – Klobenstein/Ritten:

Sündhaft teures Klopapier

Wie das bei Südtiroler Familienbetrieben wohl allgemein üblich ist, halfen meine Schwester und ich schon in jungen Jahren daheim mit. Wir waren hauptsächlich für das Reinigen der Zimmer zuständig, was uns immer Spaß gemacht hat. In den Jahren meiner Kindheit gingen viele Gäste bei uns zuhause ein und aus. Und an so manchen Gast erinnere ich mich…

Eine Dame mittleren Alters, etwas exzentrisch und stets mit teuerstem Schmuck behangen, hat sich besonders in mein Gedächtnis eingeprägt. Sie hatte nämlich die lustige Angewohnheit, den Schmuck in Klopapier zu wickeln und auf die Kommode in ihrem Zimmer zu legen. Dann, eines Tages aber, war ihr kostbarster Ring wie vom Erdboden verschluckt. Das ganze Zimmer – was sag’ ich – das ganze Haus wurde auf den Kopf gestellt. Doch das Schmuckstück hielt sich gut versteckt. Aufgebracht wie sie war, beschuldigte die Dame plötzlich mich, den von Klopapier umhüllten Schmuck in den Müll geworfen zu haben.

Wohl oder übel mussten wir die große Mülltonne von der Sammelstelle an der Straße holen und den stinkenden Inhalt in der Garage auf einem großen Tuch ausbreiten. So wurde der gesamte Hausmüll von uns durchwühlt, gründlichst durchsucht und wieder in die Tonne zurückgeschaufelt. Kein Ring. Alles vergebens.

Plötzlich stürmte die Dame mit erhelltem Gesicht aus ihrem Zimmer. Sie hatte den Ring beim Ausziehen ihrer Stiefel im Futter verloren und soeben wiedergefunden! Wohl hatte sie nicht gemerkt, dass ihr der Ring vom Finger geglitten war, da sie abends immer recht ‚erheitert’ auf ihr Zimmer ging, so dachte ich, sprach’s aber nicht aus. Stinkend, aber sichtlich erleichtert saßen wir alle da am Boden unserer Garage. Die Dame hat’s wieder gut gemacht und uns alle auf eine Pizza eingeladen. Wer könnte da noch nachtragend sein?