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20.09.2016

Ehrlich, unverfälscht, sarnerisch

sarner
Was dem Vinschger sein Apfel, ist dem Sarner sein Jangger. Ein Unterschied wie er größer wohl nicht sein könnte. Deshalb habe ich mich als waschechte Vinschgerin mit meinem Apfel bewaffnet ins traditionsstarke Sarntal gewagt, um dieses Kleidungsstück mal näher ins Auge zu fassen.

Liebe zur Tradition – seit Generationen

Kaum durch die Tunnel geschlüpft, führt mich die Straße bis nach Sarnthein, direkt in die offenen Arme von Albert Unterweger, Leiter und Herzfigur des Familienbetriebs Handweberei Unterweger. Ich finde mich mitten im Laden zwischen „Sarner Toppar“ (Filzpantoffeln), Wollsocken und kuschlig warmen Decken wieder. Im Hintergrund höre ich den fleißigen Webstuhl knattern, das Stück reine Wolle in meiner Hand fühlt sich wie eine Wolke an … und dann entdecke ich ihn. Den Sarner Jangger!

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Was der alles kann …

Dieses Kleidungsstück gibt es schon so lang, dass mir selbst Albert nicht sagen kann was zuerst da war, das Tal oder der Jangger. Sicher ist allerdings, dass die Strick“jacke“ für jeden waschechten Sarner Pflicht ist! Der Jangger ist auch ein wahrer Alleskönner. Da er komplett aus Schafwolle gestrickt ist, in kleinen, ganz engen Maschen, hält er absolut warm (aber man schwitzt nicht darin!), ist belastbar und mit seiner naturbelassenen Farbe gibt es zudem kein Stilproblem. Eng anliegend muss er sein, die Form kommt durch das viele Tragen von ganz allein. Einst wurde der Jangger hauptsächlich zur Arbeit getragen. In einem Gebiet, wo der Winter kalt ist, und das Tal so manches Mal durch Unwetter und Schneemassen von der Außenwelt abgeschnitten wurde, war er einfach praktisch.

Jangger oder Tracht?

Aber auch in der Freizeit traut sich so mancher Sarner nicht ohne den Sarner aus dem Haus. Es sei denn, es ist ein hoher Feiertag! Da wurde und wird auch heute noch die Sarner Tracht aus dem Kasten geholt. Mit dem großen bestickten Ledergürtel, dem „Fatsch“, und der ebenso bestickten „Krax“ ist sie ein echter Hingucker. Wer sich nicht von seinem Lieblingsstück trennen kann, zieht den Jangger an, schließt aber nur den obersten Knopf oder hängt ihn mit einer kleinen Kette zusammen, damit die Tracht darunter immer noch sichtbar ist. Wäre auch schade drum.

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Wer will fleißige Hausfrauen sehen ...

Es gibt sie immer noch, die fleißigen Hausfrauen die ihn selbst stricken! In jede Masche arbeiten sie ihr Herzblut mit ein und sind Wochen oder gar Monate mit einem solchen Kleidungsstück beschäftigt. Immerhin ist es ein Jangger für’s Leben, oder sogar noch länger! Denn oft wird er weitervererbt. Der Stolz eines jeden Burschen!

Ja, auch in den modernen Kleiderschränken darf der Sarner nicht fehlen. Er ist einfach ein Teil Heimat und Tradition für viele, nicht nur für die Sarner. Ein Kleidungsstück, das Jahrhunderte überlebt hat und einfach immer passt. Ob traditionell, mit einer kleinen Innentasche, oder modern mit komplett kariertem Innenfutter. Die einzige Frage die bleibt, ist ob der „richtige“ Sarner Jangger mit Hirschknöpfen oder Metallknöpfen versehen werden muss? Hier scheiden sich die Geister.

Vielleicht wissen Sie ja des Rätsels Lösung?